Das Opium geht zur Neige

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Ein iPhone? Ganz normal?

Apple! Dieses Wort hat mich von Kindheit an begleitet. Hauch von Coolness und großer, weiter Welt. Rock n`roll, Freiheit. The hip crowd.

Von Kindheit an? Nein, meine Eltern waren keine Informatik-Nerds der ersten Stunde, die nächtelang vor garagentorgroßen Bildschirmen verbracht haben. Meine Eltern waren Beatles-Fans. Ich als ältester Sprößling durfte die Apple-Scheiben rauf und runter hören. Die Beatles hatten mich beeindruckt. Apple hatte mich beeindruckt. Das andere Apple beeindruckt mich heute. Oder besser: Das, was Apple auslöst, was diese Firma umgibt, das beeindruckt mich. Seit längerem beobachte ich (mit Sicherheitsabstand), was aus dem Computerunternehmen aus Cupertino in Californien geworden ist. Eine der wertvollsten Lifestyle-Marken der Welt! Menschen auf der ganzen Welt fühlen sich mit Apple-Produkten aufgeklärter, besser, cooler, schlauer und schöner als ohne. Das war meine Wahrnehmung. Bis gestern.

Seit gestern ist der Sicherheitsabstand weg. Nicht ohne eigenes Werben hat mir mein Chef im Büro sein „altes“ (1,5 Jahre altes) iPhone als Diensthandy vermacht. Nach ein paar Umgewöhnungsschwierigkeiten von einem profanen Samsung-Handy mit Android-Betriebssystem, haben Apple und ich uns schon ganz ordentlich aneinander gewöhnt. Natürlich schaut man sich das Gerät am Anfang etwas öfter an, spielt damit. Und natürlich fragt man sich dabei, welche Wirkung so ein Stück Technik hat. Bin ich jetzt cooler als vorher? Mitnichten, wie ich festgestellt habe. Das iPhone ist ein sehr ästhetisches Handy, ein Handschmeichler. Und es macht viele Dinge wirklich einfacher und attraktiver, geschäftlich wie privat. Aber das hat mein vorheriges Handy genauso gut gemeistert, dabei längere Akkulaufzeiten bewiesen – und durch Kunststoff auch eine größere Robustheit im Falle eines Sturzes.

Akkulaufzeit, kein unwichtiger Punkt bei einem Smartphone.  Bei meinem iPhone habe ich das Problem, dass nach dem ersten Update die Kamera bei Benutzung abstürzt, danach ging das iPhone einfach aus. Zeigte 0 % Akku an, obwohl dieser bei 40 % gewesen sein müsste. Was tun? Apple bietet standardmäßig nur ein Jahr Garantie, diese ist bei meinem Gerät bereits abgelaufen. Also rein ins Netz, Dr. Google fragen. Was soll ich sagen: Die Foren sind voll von enttäuschten Jüngern, die ihre goldenen iPhone-Kälber nicht mehr zum Laufen bringen. Was war da mit Apple passiert? Ich kann doch nicht cooler als vorher durch etwas sein, das nicht richtig funktioniert? Oder ist Apple seit dem Tod von Steve Jobs einfach nicht mehr das Apple, das mich beeindruckt hat, und der Zauber verflogen? Wenn Religion Opium fürs Volk ist, dann geht das Opium bei Apple zur Neige? Angesichts der technischen Unzulänglichkeiten scheint es zumindest gestreckt worden zu sein.

Das ist keine wirkliche Kritik. Wenn man bedenkt, was in so einem kleinen Gerät alles an Technik steckt und man von einem normalen Computer ausgeht, der auch immer mal seine Hänger und Macken aufweist, dann ist das doch völlig normal. Auch Apple ist völlig normal. Fast. So normal wie andere Firmen, einfach ein Handy ans Notebook anschließen und Inhalte verschieben, ist Apple nicht. Aber jetzt auf iTunes-Zwänge und mangelnde Kompatibilität zu schimpfen, wäre falsch. Das ist schließlich alles bekannt. Es war irgendwie befreiend zu sehen, dass ein iPhone mitten im Betrieb einfach so ausgehen kann. Dass ein Telefonsupport dieser höheren Technikinstanz einem nicht weiterhelfen kann. Und dass man die kompakte Größe des Geräts mit dem Mehr an Platz bezahlt, den man in der Tasche braucht, weil man nie ohne Ladekabel aus dem Haus gehen kann. Das ist alles völlig normal. Nur dachte das keiner von Apple. Ich dachte das nicht. Und alle, die in der Öffentlichkeit mit iPhone doppelt so cool sind als ohne, haben mir vorher auch nie das Gegenteil aufgezeigt. Ich bin desillusioniert, erleichtert und froh. Auch wenn das Opium zur Neige geht: Ich habe ja noch ein sehr ordentliches und schickes Stück Computertechnik, das ab und an als Kamera taugt und mit dem man sogar telefonieren kann.

Taktisches Foul kostet 37 Millionen Euro

Ausgerechnet am Tag des Champions League Halbfinales des FC Bayern München gegen Barcelona kommt es raus: Mario Götze wechselt zur kommenden Saison für festgeschriebene 37 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu den Bayern. Ausgerechnet einen Tag vor dem anderen Halbfinale, Dortmund gegen Real Madrid. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Steuerskandals um Bayern-Präsident Uli Hoeneß. 

Bevor der Medienzug unaufhaltsam Richtung Bayern-Sechzehner dribbelt, haben die Münchener offenbar die Notbremse gezogen. Man muss nicht David Copperfield sein, um mindestens ahnen zu können, dass dieser Transfer ohne das Hoeneß-Theater niemals zu diesem Zeitpunkt bekanntgegeben worden wäre. Man hätte aus Respekt vor den noch anstehenden Aufgaben des Gegners einen Zeitpunkt X nach dem Saisonende vereinbart. 

Doch die Causa Hoeneß zwingt die Bayern nun zu handeln. Der Club braucht Ablenkung und positive Schlagzeilen. Vor allem aber braucht der FC Bayern als Sportverein sportliche Nachrichten. Und hier wären sie, bitte.

Dieses taktische Foul an der Mittellinie schindet nur etwas Zeit. Mehr aber nicht. Die Medien werden noch mehrmals kurz vor Schluss vor das Bayern-Tor flanken. Und dabei werden Sie immer den ehemaligen Stürmer Hoeneß suchen. Um sich auf Götze zu stürzen oder die Pep-Welle wieder zu entfachen, wiegt der Fall Hoeneß einfach zu schwer.